Das Blutgruppensystem der Katze
Dem felinen Blutgruppensystem und seiner Vererbung ist lange Zeit nur sehr wenig Bedeutung beigemessen worden. Es traten aber immer wieder Fälle auf, in denen die eine oder andere Katze eine (Blutgruppenunverträglichkeit) zeigte und sogar daran verstarb; auch eine häufig vorkommende und lange Zeit unerklärliche Sterblichkeit bei neugeborenen Katzen war, wie man später feststellte, auf eine Blutgruppenunverträglichkeit zurückzuführen.
Vererbung der BlutgruppenDas feline Blutgruppensystem unterscheidet sich von dem des Menschen in der Gestalt, das im Blut von Katzen die Blutgruppe O nicht existiert. Bei unseren kätzischen Kameraden gibt es nur die Blutgruppe A und B. Genetisch gesehen sind die Allele der Blutgruppe A über die Allele der Blutgruppe B dominant, d.h., dass die Blutgruppe B nur homozygot reinerbig (B/B) vorkommt, während die Blutgruppe A sowohl homozygot - reinerbig (A/A) - als auch heterozygot - mischerbig (A/B) vorkommen kann; anders ausgedrückt, Nachkommen von zwei Elterntieren mit der Blutgruppe B werden immer nur die Blutgruppe B haben, wohingegen Nachkommen aus Verpaarungen mit Elterntieren der Blutgruppe A mit einem Elterntier der Blutgruppe B, sowohl die Blutgruppe A als auch die Blutgruppe B haben können. Lange Zeit war auch nur von diesen beiden Blutgruppen die Rede. Sämtliche Institute und auch die Literatur, die sich mit der Forschung des felinen Blutgruppensystems beschäftigt haben, waren der Ansicht, dass die dritte Blutgruppe AB bei Katzen so selten vorkommt, dass sie in der Literatur fast völlig vernachlässigt wurde ( das B der Blutgruppe AB darf nicht mit der Blutgruppe B verwechselt werden, denn bei AB sind die beiden Allele A und B vollkommen gleichwertig - kodominant -, d.h. keines der beiden Allele ist dominant bzw. rezessiv gegenüber dem anderen ). Erst in jüngster Zeit beschäftigen sich namhafte Institute und Wissenschaftler, wie z.B. Dr. med. vet. Urs Giger von der Schule für Tiermedizin an der Universität von Philadelphia/Pennsylvania, Dr. Judith Leidinger vom vet. med. Labor InVitro in Wien u.a. auch verstärkt mit dieser "dritten" Blutgruppe und deren Vererbung. Man spricht von einem dritten Allele, das für die Vererbung der Blutgruppe AB verantwortlich sein könnte und scheinbar gesondert vererbt wird. Dies ist bislang aber nur eine Theorie und ein Beweis für diese Theorie ist bis heute noch nicht eindeutig erbracht worden.
Die Blutgruppe ABDie Entstehung und Vererbung der Blutgruppe AB ist bis
heute noch nicht abschließend erforscht. Fest steht jedoch, dass im felinen
Blutgruppensystem die Blutgruppe A und B, nicht wie beim Menschen,
kodominant (gleichwertig) vererbt werden, d.h., dass Nachkommen mit der
Blutgruppe AB nicht unbedingt aus Verpaarungen von Katzen mit der Blutgruppe
A und B hervorgehen müssen. Die Blutgruppe AB kommt ausschließlich bei
Rassen vor, in denen auch die Blutgruppe B existiert. Sie ist gegenüber der
Blutgruppe A rezessiv und gegenüber der Blutgruppe B dominant, d.h. sie
kann sowohl homozygot (AB/AB) als auch heterozygot (AB/B) vorkommen. Man
vermutet, dass es sich bei der Blutgruppe AB um ein drittes handelt, das auf
dem gleichen Lokus des Bluttypengens vorkommt, und das sie gesondert vererbt
wird. Bei einer biochemischen Untersuchung wurde festgestellt, dass die
Blutgruppe AB weniger stark auf das Anti-A-Serum reagiert als die Blutgruppe
A und auf das Anti-B-Serum etwa so stark reagiert, wie die Blutgruppe B.
Dies bedeutet, dass Jungtiere mit der Blutgruppe AB, die von einer Mutter
mit der Blutgruppe B geboren wurden, ein ähnlich hohes Risiko haben eine
Neonatale Isoerythrolyse zu bekommen, weil die starken Iso- oder Alloantikörper
der Mutter die Blutgruppe AB ebenfalls erkennen und die roten Blutkörperchen
zerstören.
Häufigkeit der verschiedenen BlutgruppenTatsache ist, dass es bestimmte Rassen gibt, bei denen die Blutgruppe B und/oder AB überhaupt nicht vorkommt und andere Rassen bei denen diese Blutgruppen häufiger bis oft vorkommen. Es ist bekannt, dass die Blutgruppe AB nur bei Rassen vorkommt, bei denen neben der Blutgruppe A auch die Blutgruppe B vorkommt. Britisch Kurzhaar- 40 % Gruppe A und 59 % Gruppe B und nur 1% Gruppe AB
Neonatale Isoerythrolyse und Absterben von Schwanzspitzen Solange sich die Jungtiere noch im Mutterleib befinden, besteht absolut keine Gefahr für die Kleinen. Sie werden zwar über die Plazenta von der Mutter versorgt, Antikörper können jedoch aufgrund der zelligen Auskleidung der Plazenta nicht oder nur in unbedeutendem Umfang an den Fötus gelangen. Die Kitten kommen zunächst gesund zu Welt und
Wie kann man eine Neonatale Isoerythrolyse verhindern??
Sichbare Anzeichen für die Neonatale Isoerythrolyse ist eine dunkle, bräunlich-rote Einfärbung des Urins (Pigmenturie) und eine Gelbsucht. Eine sofortige Entfernung der betroffenen Tiere von der Mutter und eine Handaufzucht oder eine weitere Ernährung durch eine A-Amme über einen Zeitraum von 24 bis 48 Stunden kann erfolgreich sein und das leben des Jungtieres retten, die Sterblichkeit der Jungtiere ist jedoch sehr hoch, wenn die ersten klinischen Anzeichen für die Neonatale Isoerythrolyse aufgetreten sind. Eine Transfusion aus gereinigtem Blut der Blutgruppe B während der ersten drei Lebenstage oder kurz danach eine Transfusion mit Blut der Blutgruppe A kann ebenfalls helfen. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, warum es vor allem für einen Züchter von immenser Wichtigkeit ist, die Blutgruppen seiner in der Zucht befindlichen Katzen zu kennen. Falls doch einmal z.B. eine Verpaarung eines Katers mit der Blutgruppe A und einer Kätzin der Blutgruppe B vorgekommen ist, dann sollte man die Kitten unmittelbar nach der Geburt - in jedem Falle vor der ersten Aufnahme der Muttermilch - von der Mutter trennen und die Jungtiere für einen Zeitraum von etwa 24 Stunden entweder von Hand füttern, oder sie bei einer Amme (eine anderen Kätzin mit der Blutgruppe A, die zeitgleich Jungtiere säugt) säugen lassen. Danach besteht für die Jungtiere keine Gefahr mehr, weil die mütterlichen Antikörper die Darmwände der Jungtiere nicht mehr passieren können. Von verschiedenen Instituten wird angeraten, vor der ersten Nahrungsaufnahme der Neugeborenen Blut aus der Plazenta jeden Jungtieres zu entnehmen, und über ein Testkartenverfahren zu testen. Die Jungtiere mit der Blutgruppe B kann man dann bedenkenlos der Mutter zurückgeben. Die Jungtiere mit der Blutgruppe A oder AB sollten man die nächsten 24 Stunden von der Mutter trennen. Blutgruppenbestimmung In Deutschland gibt es mehrere Labors, die eine
Blutgruppenbestimmung vornehmen (die Aufzählung hier erhebt keinen Anspruch
auf Vollständigkeit). Für eine Blutgruppenbestimmung nimmt der Tierarzt
Blut ab und gibt dieses in ein EDTA-Röhrchen, verschließt dies luftdicht
und schickt es an eines der nachstehend genannten Labors. Dort wird dann ein
sogenannter Hämaglutinintest durchgeführt, mit dem anhand der Verklumpung
der roten Blutkörperchen die Blutgruppe bestimmt werden kann. Man läßt
das eingeschickte Blut der Katze mit Antiseren reagieren, die gegen die
jeweils mögliche Blutgruppe gerichtet ist. Bei der Reaktion auf das
Antiserum wird eine Verklumpung der roten Blutzellen sichtbar. Das Blut der
Blutgruppe A reagiert mit dem gegen die Blutgruppe B gerichteten Antiserum,
die Blutgruppe B gegen das gegen die Blutgruppe A gerichtete Serum und die
Blutgruppe AB reagiert auf beide Antiseren, weil es die beiden Merkmale der
Blutgruppe A und B trägt. Um eine falsche Reaktion auszuschließen, werden
zusätzlich noch alle Proben mit einer Kontrolllösung vermischt. Dieser
Vorgang darf dann keine Verklumpungen ergeben. TestkartenverfahrenBis vor kurzem war die Bestimmung der Blutgruppen bei Katzen nur Speziallabors vorbehalten. Zwischenzeitlich sind Testkarten erhältlich, die das Verfahren vereinfachen und auch in Notfallsituationen eine rasche Blutgruppenbestimmung ermöglichen. Dieses Verfahren ist einfach durchzuführen und zuverlässig, wenn es gemäß den Anweisungen durchgeführt wird. Die Testkarten basieren auf einer Agglutinationsreaktion, die auftritt, wenn die roten Blutkörperchen auf ein Anti-A-Serum oder auf eine Anti-B-Lösung reagieren. Die Reaktionsfelder der Testkarte sind mit den entsprechenden Substanzen beschichtet. Man gibt 0,4 ml (etwa ein Tropfen Blut) auf die beiden mit Typ A und Typ B gekennzeichneten Reaktionsfelder verreibt diese mit einer Lösung und nach bereits 15 bis 30 Sekunden ist da Ergebnis deutlich ablesbar. Bei einer deutlichen Verklumpung auf dem Reaktionsfeld Typ A hat die Katze die Blutgruppe A, bei einer Verklumpung auf dem Reaktionsfeld B hat die Katze die Blutgruppe B. Bei einer Verklumpung auf beiden Reaktionsfeldern hat die Katze die Blutgruppe AB. Auf dem Autokontrollfeld darf es niemals zu einer Reaktion kommen. Die Testkarten kann man beim Tierarzt erhalten bzw. bestellen, und im Falle einer eingetretenen "Risikoverpaarung" könnten die Neugeborenen mit der Blutgruppe A und AB aufgrund der raschen Möglichkeit der Blutgruppenbestimmung noch vor der ersten Aufnahme der Muttermilch von der B-Mutter getrennt werden, um eine Neonatale Isoerythrolyse zu verhindern und die Neugeborenen mit der Blutgruppe B könnten bei der Mutter belassen werden. Auch bei einem Notfall könnte das Spender- und das Empfängerblut sehr schnell ermittelt und eine Blutgruppenunkverträglichkeitsreaktion bei der Verabreichung einer Transfusion vermieden werden. Blutgruppen sind keine Krankheit
Quelle der Texte: Das feline Blutgruppensystem von Joe Ley (Teilauszug) |
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